Über uns  Schweinikoner 

Radio Primaton (September 2012)

Exil-Schweinfurter treffen sich im Herzen von Zürich

Radio Primaton
Radio Mitschnitt von Elisa Engel
30.08.12 Mitschnitt Schweinfurter Stammtisch.mp3 (4.28MB)
Radio Primaton
Radio Mitschnitt von Elisa Engel
30.08.12 Mitschnitt Schweinfurter Stammtisch.mp3 (4.28MB)

 

Schweinfurter Tagblatt (August 2012)

Schweinikon schaut auf die Züri-Schnüdel

„Ich bin total von den Socken! Halb Schweinfurt hat mir das Telefon heiß geklingelt.“ Horst Rossdeutsch, frisch gekürter Weltmeister im koreanischen Schwertkampf, hat das an die Tagblatt-Redaktion gemailt, die vor wenigen Tagen über seinen Erfolg mit der Schweizer Nationalmannschaft berichtet hat.
 

Die Resonanz aus der Heimatstadt des heute in Zürich lebenden und arbeitenden Schweinfurters freut uns natürlich. Reaktionen gab es aber auch in der Wahlheimat. „Die Stammtischbrüder haben sich auch schon gemeldet, das wird eine teure Runde hier in Zürich“, verrät Rossdeutsch. 2006 gründete sich in der Schweizer Stadt ein „Schnüdel-Stammtisch“. Immer am ersten Donnerstag ist Treffen, das nächste also am 6. September, Coco-Bar am Paradeplatz (ab 19 Uhr). Und Horst Rossdeutsch muss dabei mit einer wohl wirklich nicht ganz billigen Runde rechnen.

Warum? Nach einem Bericht dieser Zeitung über den damals knapp über 20 Schweinfurter zählenden Stammtisch interessierten sich nämlich auch die Zürcher Presse, das Schweizer Fernsehen und sogar ein deutscher Sender für die außergewöhnliche Runde mit dem „Schweinikon-Wappen“. Folge: „Viele weitere Züri-Schnüdel sind dadurch erst auf uns aufmerksam geworden“, berichtet das angefragte Stammtisch-Urgestein Oliver (Oli) Rieger. „Trotz regelmäßiger Zu- und Abwanderung haben wir in den letzten Jahren im Schnitt rund 70 Mailadressen, die sich monatlich über das anstehende Treffen informieren lassen.“

Die Idee zum Stammtisch hatte Zahnarzt Erni Fuchs. Er lebt schon über drei Jahrzehnte in Zürich. Bei einem Fondue-Essen mit (fränkischen) Landsleuten und angeblich auch Weißbier beschloss er, etwas gegen das Heimweh zu tun. Die Resonanz auf ein erstes Treffen im Oktober 2006 war unerwartet positiv.

Fast jeder Züri-Schweinfurter vermisst Fränkisches. Rossdeutsch denkt wie Kerstin Schaller oft an die Biergärten in Schweinfurt, an Sauerteigstölli. Genannt werden von Johann Ilauski, Martin Leser, Thomas Halbig, Susanne Buchwalder, Michael Schmidt oder Oli Rieger die Peterstirn, die „Festli“, fränkische Bratwurst mit Sauerkraut, Weinschorle, der Schweinfurter Wochenmarkt, Zwieflplootz, die Cinema-Bar und die Schlachtschüssel.

Geburtstagsfeier

Im Dezember 2011 haben die Zürich-Schnüdel mit 25 Personen das fünfjährige Bestehen gefeiert, verrät Rieger. Den Geburtstag hat er zum Anlass genommen, die Webpräsenz (www.schweinfurt.ch) zu erneuern. „Die aktuelle Homepage gibt zumindest rudimentäre Möglichkeiten zur Kommunikation“, lacht er. Tatsächlich genutzt wird die Site aber in erster Linie, um Interessierten eine Anlaufstelle zu geben und „uns zu finden“.

Und das hat – wie erwähnt – „die letzten Jahre auch richtig gut geklappt“. Auffällig nennt Rieger die „immer große Herzlichkeit“ bei den Treffen mit in der Regel einem Dutzend Franken. Das Alter reicht von 20 bis 70, es sind erst frisch in Zürich angekommene oder schon seit Jahrzehnten hier lebende Schweinfurter dabei. Dass die „Anzugs-Dichte“ für einen Stammtisch bisweilen „überraschend hoch ist“, liegt daran, dass das Coco im Herzen von Zürich und damit im Bankenviertel liegt. „Entsprechend schauen natürlich auch die Schweinfurter Banker und ITler gerne mal auf ein, zwei, drei Hefeweizen vorbei.“ Das werde im übrigen im Coco erst ausgeschenkt, seit es den Schnüdel-Stammtisch dort gibt. Und: Abgehoben ist keiner, „da drückt sich die Bodenständigkeit der Franken aus, die wenig Aufhebens über irgendwelche Statuszeichen machen“, sagt Rieger.

Wie entstand das Wappen?

Und das Wappen? Es ist ein paar Wochen nach dem ersten Stammtisch 2006 entstanden. Auslöser war aber nicht die Gründung, Hintergrund war eine Ausschreibung der Züricher Zeitung „Tages Anzeiger“. Die Leser sollten das Wappen ihrer „Traumgemeinde“ entwerfen. Oli Rieger und seine Frau Cordula sowie Anette Schneider haben ihrer Kreativität freien Lauf gelassen – mit Filzer und Tipp-Ex. Den Entwurf haben sie irgendwann mal nachgearbeitet, den grauen Hintergrund entfernt, die Farben geglättet und den Spruch gegen den Wappennamen ersetzt.  

(Artikel von Hannes Helferich)

Mainpost (August 2012)

Schweinfurt ist im Herzen - Auswanderer leben gerne in der Schweiz, bekennen sich aber zu ihrer alten Heimatstadt

Namen sind Nachrichten. Der Anregung der Redaktion an den Schweinfurter Stammtisch, sich zu outen, sind einige der Zürich-Schnüdel gefolgt.

 Thomas Halbig, einst FOS, heute 37 Jahre alt und Banker. Statt Frankfurt machte Zürich „wegen der sympathischeren Handball-Mannschaft“ das Rennen. Seit zehn Jahren lebt er in Zürich. Es „ist einfach herrlich hier zu wohnen, überschaubar, dennoch Großtadt-Flair und doch irgendwie ein Dorf“. Zurück nach Schweinfurt? „Nein, es gibt keine beruflichen Möglichkeiten. Aber trotzdem gerne mal am Wochenende. Darum Gründung des Stammtisches, damit etwas Schweinfurt in Zürich ist.“

Corinna Pollak sieht das genauso: „Es wird Fränkisch kommuniziert.“ Die 25-Jährige lebt und arbeitet seit 2009 in Zürich und sorgt in ihrem Schweizer Unternehmen für eine „fröhlich-transparente Kommunikation – auf Fränkisch“, teilt sie mit. Zuletzt einige Jahre bei der Schweinfurter IHK tätig und wohnhaft in Schweinfurt Zentrum, hat sie berufsbegleitend eine Aufstiegsfortbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin absolviert. Im internationalen Zürich arbeitet sie nun im Marketing/Kommunikation für Toyota Material Handling, studiert neben dem Beruf International Business Communication und fühlt sich „mehr als pudelwohl“.

Die Sehnsucht nach der Schweinfurter Luft stillt sie durch die monatlichen Besuche des Schnüdel-Stammtisches. „Hier spreche ich meinen Dialekt und fühle die Herzlichkeit meiner Schweinfurter Kollegen“, so Pollak. „Ein Schnüdel bleibt immer ein Schnüdel und darauf sind wir alle stolz“, lacht sie.

Oliver Rieger (45) folgte seiner heutigen Frau Cordula, die 1999 einem Arbeitsplatz-Angebot in Zürich erlag. Mittlerweile hat er sein Herz auch an diese „kleine Großstadt“ verloren. Zürich biete dank Oper, Theater, Museen eine kulturelle Vielfalt, verfüge über eine herrliche Innenstadt mit schier endlosen Lokalen und Kaffees. Hinzu komme das Leben an einem großen See, die direkte Nähe zu den Bergen, berichtet der frühere Rathenau-Gymnasiast. 2006 wurde Sohn Nikolas, 2009 Tochter Caroline geboren, Oli Rieger nennt seine Familie in der Schweiz „angekommen“. Dennoch: „Mit zunehmendem Abstand zu Schweinfurt genieße ich immer mehr die Zeit in Schweinfurt und mit Schweinfurtern.“

Anna Lippert besuchte das Celtis-Gymnasium. Sie lernte Zürich aufgrund einer Fernbeziehung ab 2009 „off und on“ kennen. Seit Januar 2012 lebt die Schweinfurterin fest in Zürich. Warum? Hierzu die Aussage ihres Schweizer Lebensabschnittsgefährten: „Auf Dütschland zügeln...? Na guät, aber go schaffe gang i dete nöd!" Auch unser gutes Fränkisch ist nicht immer gleich zu verstehen.

Schweinfurter Tagblatt, 27.08.2012
Schweinfurt ist im Herzen - Auswanderer leben gerne in der Schweiz, bekennen sich aber zu ihrer alten Heimatstadt
2012_08_Tagblatt_Schweinikon.pdf (1.03MB)
Schweinfurter Tagblatt, 27.08.2012
Schweinfurt ist im Herzen - Auswanderer leben gerne in der Schweiz, bekennen sich aber zu ihrer alten Heimatstadt
2012_08_Tagblatt_Schweinikon.pdf (1.03MB)

(Artikel von Hannes Helferich)

 

 

 

Tagesanzeiger (Januar 2008)

Schweinfurt Stammtisch  

Seit drei Jahren treffen sich Heimweh Schweinfurter regelmässig am Zürcher "Schnüdel-Stammtisch". In der Regel am ersten Donnerstag im Monat, wie die Gruppe auf Facebook schreibt. Willkommen seinen auch Unterfranken, Franken, Nicht-Franken und Nicht-Deutsche. Besonders angetan sind wir vom Logo der Schweinfurter. Es zeigt das Wappen der Gemeinde Schweinikon: ein süsses, rosa Ferkel mit einem von Tells Geschoss durchbohrten Apfel auf dem Kopf. Na dann Prost!

 

 

Schweinfurter Tagblatt (Juni 2007)

Schnüdel-Stammtisch gegen das Heimweh

 In ihren in der Regel gut gefüllten Kalendern ist ein Termin schon lange im Voraus fest gebucht: Der erste Donnerstag jeden Monats. Da findet in Zürich nämlich der Schweinfurt-Stammtisch statt, dem mittlerweile über 20 Schnüdel angehören. In die Schweizer Stadt hat es sie alle des Arbeitsplatzes oder der Liebe wegen verschlagen. Das Wappentier „Schweinikon“ ist die neueste Kreation der Stammtisch-Schnüdel.

 Die Idee hatte Zahnarzt Erni Fuchs. Er lebt schon über drei Jahrzehnte in Zürich. Bei einem Fondue-Essen mit (fränkischen) Landsleuten Ende 2006 war er vor Wiedersehensfreude den Tränen nahe und beschloss, etwas gegen das Heimweh zu tun. Die Resonanz auf ein erstes Treffen im Januar war unerwartet positiv. Fünf Monate später ist aus der kleinen Gruppe ein fester Stamm geworden. „Erni war wohl hier nicht der einzige, der unsere fränkische Heimat vermisste“, sagt Horst Rossdeutsch. Der Informatiker, der dem Reporter berichtet, lebt seit 2006 in Zürich und ist froh, dass es die „Schweinikoner“ gibt.

 Der Name „Schweinikon“ im selbst entworfenen Wappen des Stammtisches ist übrigens ein Kunst-Ortsname und gründet auf der Nachsilbe „kon“, die viele Ortschaften im Raum Zürich tragen. Vergleichbar dem fränkischen „-hausen“ oder eben „-furt“. Niederlassung der Schweinfurt-Kolonie ist das „Weiße Kreuz“. Mit dem Wirt ist die Franken-Crew derzeit in „ernsthaften“ Verhandlungen. Er soll „fränkischen Wein, Weißbier und Gerupften einführen“. Als „Druckmittel“ dient die stetig wachsende Zahl von Stammtischbrüdern und -schwestern aus dem Schweinfurter Raum.

 „Auffällig ist, wie sich die Köpfe an den anderen Tischen stets in Richtung der Schnüdel wenden und meist nur ein Achselzucken als Reaktion auf den heimischen Dialekt folgt“, berichtet Rossdeutsch. Leider bekämen die anderen Gäste nur die wenigsten Anekdoten aus der Heimat mit, „aber unser Lachen steckt dann doch meist an“.

 Wenn die Schweinikoner gefragt werden, wo denn ihr „origineller Dialekt“ gesprochen wird, erklären sie immer gern, wo ihre Heimat liegt. Spätestens wenn am Stammtisch in geselliger Runde wieder schallend gelacht wird, beugt sich hin und wieder ein echter Zürcher zu den „lustigen Schnüdeln“ herüber und meint: „A bizzli urchig seid ihr scho!“ Horst Rossdeutschs Antwort: Genau so ist es.

 Fast jeder Züri-Schweinfurter vermisst Kern-Bestandteile der typisch fränkischen Küche. Raclette, Fondue, Alplermakrone oder Suure Moscht können nicht wirklich trösten. Horst Rossdeutsch denkt wie Kestin Schaller (Sportlehrerin, seit 1986 in Zürich) oft an die Biergärten in Schweinfurt und an Sauerteigstölli. Blaue Zipfel stehen auf der Wunschliste von Andreas Halbig (IT-Berater, 2002) ganz oben.

 Auf der Vermisstenliste von Gründer Fuchs finden sich Peterstirn und Festli, Johann Ilauski (IT-Berater, 2002) nennt Federweißen, Martin Leser (Architekt, 2003) den FC 05 und die Rafelder Weck, Thomas Halbig (IT-Berater, 2002) vermeldet fränkische Bratwurst mit Sauerkraut, Christoph Mayer (Student, 2006) Weinschorle, Susanne Buchwalder (1980) den Schweinfurter Wochenmarkt und Zwieflplootz, Olli Rieger (IT-Berater, 1999) das „Cinema“ und die Schlachtschüsssel. Michael Schmidt (2005) schließlich vermisst neben den Schnüdeln und dem ERV das Schweinfurter Tagblatt.

 Erni Fuchs möchte diesen Monat zum ersten Mal richtig fränkisch tafeln und lädt nach vorherigem Anrudern auf dem Zürichsee zu Bratwurst mit Kraut ein. „Mit etwas Glück haben wir bis dorthin sogar einen Züricher Koch mit der Zubereitung von Gerupftem vertraut gemacht“, berichtet Horst Rossdeutsch.

Alle über 20 Stammtischmitglieder haben feste Wurzeln im Raum Schweinfurt, von Ramsthal bis Gaibach und von Estenfeld bis Haßfurt. Michael Schmidt wird demnächst seinen Nachwuchs in Randersacker taufen lassen, „weils da einen Frankenschoppen zum Essen gibt“, verrät er. Und Fuchs besucht seine alte Schule in Gaibach, wo er vor 35 Jahren sein Abitur gemacht hat.

 Mindestens einmal monatlich packt einen jeden die Sehnsucht, und es geht gen Norden, verrät Rossdeutsch. Die einfache Strecke von rund 400 Kilometern habe noch nie ein Hindernis dargestellt und sei in knapp vier Stunden zu meistern. Wenn also am Wochenende Autos mit Züricher Kennzeichen im Schweinfurter Stadtbereich gesichtet werden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich die von „Schweinikonern“ handelt.

 Daten & Fakten

 Die Zahl der deutschen Schweiz-Auswanderer ist innerhalb eines Jahres um zehn Prozent gestiegen. Die Schweiz sucht Fachkräfte. Ende April 2007 lebten in der Schweiz 177 000 Deutsche. Die Schnüdel aus Schweinfurt haben inzwischen eine eigene Homepage eingerichtet. Fotos und Berichte von und über Züri-Schnüdel im Internet unter www.schweinfurt.ch.

 

Zürichsee Zeitung (2006)

Schweinikon - das Wappen 

An einem lauschigen Winterabend in der warmen Stube, während es draussen in dicken Flocken schneite, wollte es der Zufall, dass der Blick von Annette, Cordula und Oli auf einen Artikel in der Zürichsee Zeitung viel.  

Dort gab es eine Ausschreibung zur Gestaltung des schönsten, kreativsten und nettesten Wappens für eine fiktive Zürcher Gemeinde.   

Inspiriert vom kürzlich stattgefunden ersten Schnüdel-Stammtisch und einigen Tassen Glühwein vom vorigen Weihnachtsmarktbesuch, wurde Oli in den Weinkeller geschickt um Kreativitätsnahrung zu holen, währenddessen Cordula und Annette ihrer Kreativität freien Lauf liessen ...

 

Der Rest ist Geschichte - selbstverständlich wurde das Wappen (welches nach wie vor in seiner Ursprungsform diese Homepage ziert) von der Zürichsee Zeitung gekürt und veröffentlicht.
Der Stammtisch war begeistert und die "Kombination von Fränkischer und Schweizer Kultur" war Bild geworden.